Die Zsolnay Manufaktur in Fünfkirchen (Pecs) im
Süden Ungarns war ein Zentrum kreativer Künstler und großartiger
Handwerker.Vilmos Zsolnay übernahm 1865 eine kleine
Keramikwerrkslätte aus dem Familienbesitz. Die ersten Produkte waren
Gebrauchsgegenstände, jedoch schon modern verziert. Die damalige
Milarbeiterzahl (19) wuchs im Lauf der Jahrzehnte auf 1000. Eine
seiner wichtigsten Erfindungen war PYROGRANIT (frostsichere Keramik
mit wetterfester Glasur). Dies diente der Aussen-verzierung der
damals entstehender prunkvollen, historistischen Gebäude
(Matthiaskirche. Budaer Burg, Kunstgewerbemuseum, auch zahlreicher
Wiener Palais).
Seine sicherlich künstlerisch bedeutendste Entwicklung war die
EOSIN - GLASUR. Der Name Eosin wurde vom griechischen Wort „eos" (Morgenröte)abgeleitet.
Ts entstanden insgesamt 58 (!) dieser unvergleichbaren
Lüsterglasuren. Geniale Künstler schufen mit dieser Technik
unvegleichbare Kunstwerke. Die Kreativität Zsolnays wird auch durch
folgende Geschichte beleuchtet: Einer Arbeiterin der Nachtschicht
fiel irrtümlich die Petroleumlampe in die Glasurmasse. Die
entstandenen Gegenstände bekamen eine einmalige unebene
Beschaffenheit. Er entwickelte daraus eine wirtschaftlich sehr
erfolgreiche Serie und ließ dieses Verfahren unter „Elefantenglasur"
patentieren. Ein Höhepunkt der Zsolnay Manufaktur war 1878. Bei der
Pariser Weltausstellung gewinnt er eine Goldmedaille und den Grand
Priix Er wird sogar in die Ehrenlegion aufgenommen. Gleichzeitig
erhält er den Kaiser-Franz-Josef-Orden. Die Manufaktur wurde zum
beachtlichen Wirtschaftsfaktor Ungarns. Zahlreiche prominente
Künstler aus der Monarchie, Italiens und Frankreichs fanden eine
fruchtbare Beschäftigung. Noch heute sind Zsolnay Kunstobjekte in
Frankreich bekannter, begehrter und entsprechend teurer als z.B. in
Österreich. Auch in Amerika sind bedeutende Sammlungen entstanden.
Im Jahr 1975 gründete
ich im Schloß Potzneusiedl ein kleines Zsolnay Museum mit etwa 500
Esponaten. Ein Großleil davon ist jedoch (auch durch den inzwischen
stark gestiegenen Wert) in die Schloßrenovierung eingegalngen. In
dieser Zeit entstand eine gute Beziehung zu Fünfkirchen, sowohl zum
dortigen Museum als auch zur wieder arbeitenden Manufaktur.
In diesem
Zusammenhang empfehle ich einen Ausflug nach Pecs. Die südwest
ungarische Stadt mit der mediteranen Atmosphäre war bis Ende des 3.
Jhdts. eine Verwaltungszentrale der römischen Provinz Pannonia.
Dieses Erbe ist bis heute lebendig. Nicht nur im Weinbau. Diese
außergewöhnliche Hinterlassenschaft war auch der Grunnd für den
Sonderstatus von Pecs als UNESCO -Weltkulturerbe. Bei einem Besuch
lohnt sich der Besuch des Zsolnay Museums.
Genau gegenüber ist
übrigens das Viktor Vasarely {Begründer der Op-Art) Museum. Dieser
große Sühn der Stadt gilt als französischer Künstler, der schon nach
dem Studium nach Paris zog.
Die kulturelle
Vielfalt von Fünfkirchen führte zur Ernennung zur Europäischen
Kulturhauptsltadti 2011 (!).
Wie gesagt: ein lohnender Ausflug.
Ihr Gerhard
Egermann
Fünftirchen: ca.
340 km voni Wien
Taglich Zugsverbindungen über Budapest 4 x wöchentlich
AUA-Direktflug